Schwanger - aber zackig!

Ich sitze am Fahrersitz meines Autos und warte. Irgendwie ein bissl ironisch – immerhin bin ich in den letzten Monaten gefühlt nur noch zu spät.

Angefangen hat es damit, dass mir im Home Office ständig schlecht war. Ich hab mich aber auch wenig bewegt, viel Glumpert gegessen und mich ziemlich in Corona reingesteigert. Für mich Erklärung genug. Als ich dann einen Schwangerschaftstest in einen leeren Yoghurtbecher mit Morgenurin getunkt habe, war ich doch etwas überrascht. Um ehrlich zu sein bin ich wie ein Psycho am Badezimmerboden gehockelt und hab immer wieder laut buchstabiert: S.C.H.W.A.N.G.E.R. (!?!?!?!)

Ein paar Tage später dann erzählt mir der Frauenarzt, dass ich schon Wochen weiter bin als ich dachte. Meiner Zeit also hinterher.

Seitdem verrinnen die Tage und während ich langsam checke, dass ich diesen Sommer den Bauch im Strandbad endlich mal nicht einziehen muss, prasseln die zachesten Fragen und Ratschläge auf mich ein.

„Steffi, hast du eh schon eine Hebamme?“, „Du musst dich früh genug für den Geburtsvorbereitungskurs und das Babyschwimmen anmelden“, „Es wäre schon gut, wenn du einen Babygwand-Nähkurs machst“, „Und erste Hilfe!“

Am Schluss vom vierten Monat (und damit laut Google viel zu spät) fange ich dann mit der Schwangerschaftsspeiberei an. Während ich also versuche Heuschnupfen und Kotzen bestmöglich zu timen (ersparen wir uns Details), rennt die Uhr gnadenlos und ich niesend und immer noch komplett planlos hinterher.

„Wisst ihr was es wird und habt ihr schon einen Namen?“, „Wohin soll denn das Kinderzimmer kommen und kaufst du eh das eine Bett aus Zirbenholz?“, „Weißt du, die Krabbelgruppenplätze sind immer ganz früh weg“, „Wann gehst du denn dann eigentlich wieder arbeiten?“

Nur zur Erinnerung: Ich schaue derzeit aus, als hätte ich einen gemütlichen Quarantäne-Wohlstandsranzen. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Das Baby (das nach einem offensichtlich perfekten Plan und ohne mein Zugschaftln vor sich hinwächst) ist also bis dato nicht größer als ein gottverdammter Granny Smith!!!

Und trotzdem ist da plötzlich dieses schirche, schlechte Gewissen. Während ich hier sitze sollte ich die Zeit bestimmt nutzen um das Kind schon mal gedanklich zu gebären, groß zu ziehen und eine passende Schule zu finden. „Aber egal wies dir geht: Kein Fett und keinen Zucker mehr! Das ist pures Gift und du wirst so dick und das Gewicht nie wieder los!“

Ich löse langsam die Bremse und rolle in Zeitlupentempo vorwärts. Dann ziehe ich am Gurt und wuzel ich mich aus dem runtergelassenen Fenster. „Einen großen Eistee und große Pommes mit Currysauce bitte.“ Zurück am Platz schaue ich auf das kleine Wamperl unter meinem locker sitzenden Blumenkleid. „Ein Eis dazu? Ma ja, bitte unbedingt. Mit Karamell! Und ich esse das dann hier – so viel Zeit hab ich nämlich noch...“

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