Sauber!



Wir wohnen jetzt seit einem Monat in unserem frisch gebauten Haus. Alles riecht unberührt. Und auch wenn ich jetzt nicht per se penibel bin, entdecke ich leicht zwanghaft-pedantische Züge an mir. Die Kastentürl dürfen nicht offen stehen. Der Teppich muss symmetrisch liegen. Und wenn ich ein Bröserl auf der Anrichte entdecke, bekämpfe ich es mit Allzweckreiniger wie seinerzeit die Pupertätswimmerl mit Clerasil. Man will diesen Zauber des Neuen halt so lange wie möglich bewahren. Drum duscht man und poliert danach die Armaturen. Man patzt und wischt danach sofort drüber. Manchmal patzt man auch nicht und wischt. Man schaut sich einfach auf seine Sachen. Das geht super zu zweit. Zach wird´s, wenn Gäste einfallen. Und noch zacher: Wenn Gäste Kinder haben.

Nur um das an dieser Stelle zu klären: P. und ich wissen, dass wir längst verheiratet sind, eine große Hütte, aber keine Kinder haben. Es ist lieb, dass uns immer jeder drauf aufmerksam macht, aber man muss mich gar nicht jedes Mal wenn ich in der Nähe eines Kindes bin anschreien, ob ich denn schon übe. Auch muss man mich nicht zwangsläufig motivieren, dass mir das „gut steht“. Stehen tut mir eine vorteilhaft geschnittene dunkle Jeans. Kein Kind! Aja und ich „hole mir auch keinen Guster.“ Wir reden ja nicht von einem All you can eat Kuchenbuffet, sondern einem kleinen Lebewesen. Dieses Zwangsschwängern ist gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Noch genießen wir wirklich selig unsere Zweisamkeit.

Was nicht heißt, dass unser Freundeskreis auch so drauf ist. Dort gibt es nämlich schon einen Haufen Kinder. Bezaubernde rotzige Mädels, schelmisch grinsende Jungs – allesamt knuffig bis zum Gehtnichtmehr. Aber halt schwer gefährlich, wenn man sie in einem frisch bezogenen Pärchen-Haushalt loslässt. Letzte Woche hatte ich drei Kinder samt Mamas zu Gast. Mit Kaffee und Kuchen. Serviert auf großzügigen Untersatzerln. Die Kurzen anfangs noch andächtig und ruhig. Dann – nach einer kurzen Auftauphase - starten sie zu sämtlichen Laden auf Augenhöhe. „Räumen die da eh nix aus?“ frage ich präventiv in Richtung Mütter. Eine zieht die Horde ab und entspannt die Lage. Als nächstes höre ich Bewegungen im Wohnzimmer. „Springt da wer auf der Couch?“ frage ich präventiv in Richtung Mütter, bevor sie zum Rausholen starten. Dann wollen die Kinder auf dem Boden spielen. Ich fühle kalten Angstschweiß, will Plastikplanen auf dem gebürstet und geölten Eichenboden auslegen, entscheide mich dann aber todesmutig und cool wie Sau nur für Decken. „Die haben eh keine Stifte eingeschoben, oder?“, frage ich präventiv in Richtung Mütter. Ich werde unterbrochen, weil einer der Kleinen ein Nutallasemmerl will. Und will einer, wollen alle. Ich streiche also konzentriert drei Semmerl mit der allernötigsten Menge an Nutella, um einer Schokofinger-Katastrophe zu entgehen. Als ich serviere, erkläre ich die Regeln. Langsam und vorsichtig essen. Nicht reden. „Und könnt ihr ihnen dann den Mund und die Hände mit den Fetzerl hier abwischen?“ Die Mütter nicken. Dann haben noch alle Durst. Meine Nerven! Ich bringe Saft und jedem Kind ein Tatzerl. Jeder muss das Glas gut mit beiden Händen festhalten. Und sich konzentrieren. Die Mamas müssen stützen. Als alle gegessen und getrunken haben, atme ich vorsichtig aus. Noch ist nichts verdreckt. „Läuft ja ganz gut“, finde ich, beuge mich vor, kippe dabei den Krug Saft um, überschwemme Geschirr, Besteck und alle Untersetzer, will retten was zu retten ist, tappe dabei in ein übrig gebliebenes Stück Nutallasemmerl, haue alles auf den Boden, rutsche und komme mitten auf der binnen Sekunden desaströs-überschwemmten Tischplatte mit den Unterarmen zum Liegen. „Du musst aufpassen Steffi. Das ist alles neu hier“, sagt eines der Kinder mit offenem Mund und sauberen Unterarmen.

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