#reality

Erinnert ihr euch, als ich von unserem neuen Haus erzählt habe? Von dem geölten und gebürsteten Eichenboden? Und der Pickobello-Küche? Von den fast schon peinlich polierten Armaturen im Bad? Ja? Vergesst das. Dieses Haus gibt´s nimmer. Also, es gibt das Haus schon noch und wir wohnen auch noch drin. Nur nicht mehr in dieser Meister-Propper-Version von damals. Uns hat das Leben erwischt. Und das Elternsein. Und manchmal muss ich schmunzeln, wie sehr ich dachte, dass ich dabei ganz easy meinen Perfektionsanspruch halten kann. Grad gestern bin ich mit dem Baby – das mittlerweile ein unendlich niedliches Kleinkind ist – am Boden gelegen. Ungeduscht und in angepatzten Leggins. Um einen Turm aus Holzsteckerl zu bauen, der eine ungefähre Lebenserwartung von vier Sekunden haben wird. #nevergiveup Ich liege da also und schaue um mich. Ich muss dringend saugen. Und wischen. Wenn die Wuckerl unterm Tisch nämlich noch größer werden, brauchen sie Namen… Und was ist da am Sessel? Ein Stückerl Birne? Ein Patzerl Reisstangerl! Die Dinger picken echt wie Sau… Ich drehe mich auf den Rücken und mache die Augen zu. Wann ist es eigentlich so weit gekommen? Dass ich Spielzeug nicht gleich wieder wegräume? Dass ich nicht mehr jeden Tag bis in die Ecken sauge? Und die Dielen schon Wochen keinen feuchten Fetzen mehr gesehen haben? Mir fällt P. ein, der kürzlich eine undefinierbare Flüssigkeit am Boden gefunden und sie nach kurzem Zögern einfach mit seinem Socken aufgewischt hat. Und daran, wie ich tue, als hätte ich diese (rückblickend echt etwas grindige) Aktion nicht gesehen. Oder wie wir alle im Bad sind und für ein paar Minuten ruhiges Zusammenrichten kühn zwei Klopapierrollen opfern. Oder wie wir die ersten blauen Streifen auf den weißen Wänden entdecken aber ignorieren, weil wir ganz genau wissen, dass sie vom Holzzug kommen, den das Baby doch so gerne mag. “Dein Alltag ist seine Kindheit, also chill.” Phu. Ich bin jetzt eine von diesen Mamas geworden, die ohne großen Eckel Dinge isst, die ihr Kind nicht mag. Also, wenn ihm eine Erdbeere nicht taugt und er sie aufn Boden haut, greif ich manchmal reflexartig hin um sie mir in den Mund zu schieben. Ich meine…?! Was kommt als nächstes? Dass ich ihm die Finger und das Gesicht abschlecke?! Ich trage keine Halsketterl mehr. Und meine Haare kürzer. Und fast nie Make-Up. Ich google plötzlich Wanderkraxen und die Inhaltsstoffe von Dentinox und ich hänge in Kindermodengeschäften ab. Ich singe oder summe dauernd und es ist mir komplett wurscht geworden, wie ich auf andere Leute wirke. (Sagt nichts. Ich kanns mir denken...) Alles in allem bin ich ganz schrecklich praktisch geworden. Ich mache die Augen wieder auf und sehe, wie das Baby andächtig meinen Holzturm beobachtet. Und muss lächeln. Ja, das Haus, von dem ich euch erzählt habe, gibt es nicht mehr. Vielleicht auch, weil die Leute die drinnen wohnen andere sind. Und das ist zach. Und verrückt. Und irgendwie - auf diese zache und verrückte Weise - wunderschön.

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