Eine Busfahrt, die ist lustig…

P. und ich tauschen für drei Tage die Autos. Er fährt mit meinem T-Roc nach Wien und ich nehm für meine Kurzstrecken seinen VW-Bus. Ich würde mich ja als gute Autofahrerin bezeichnen – vielleicht manchmal etwas rapide – aber grundsätzlich schon souverän. Mit P´s Bus eiere ich aber irgendwie ein bissl herum. Dazu muss man wissen, dass mein Mann sehr (!) vorsichtig mit seinen Sachen umgeht und penibel darauf achtet, dass sie unversehrt bleiben. Er ist millimetergenau und kneißt sofort, wenn etwas nicht in perfektem Ausgangszustand ist. Was theoretisch etwas anstrengend, praktisch aber nach so vielen Jahren irgendwie ganz okay geworden ist.


Bei meiner Ausfahrt mit seinem Bus bin ich deshalb auch ziemlich unsicher. Und übervorsichtig. An Tag eins parke ich daheim vorausschauend aus. Einen Zentimeter nach vorne, einschlagen und zurück. Gefühlt hundert Mal und wirklich zitzerlweise. Auf der Bundesstraße fahre ich dann einen soliden und mir wirklich untypischen 60er. Wie die Leute, die hinten auf der Kofferraumabdeckung einen Schirm liegen oder einen Fisch neben dem Nummerntaferl picken haben. „Wir fahren die wenigen Tage jetzt einfach ganz vorsichtig, dann passiert dem Auto auch nix“, beruhige ich das Baby am Rücksitz und mich. Vor allem mich.

Vorm DM nehm ich die größte Parklücke, öffne die Schiebetüre als wäre sie Lava und belade nach dem Einkaufen den Bus so behutsam, dass es für jemand Außenstehenden schon fast creepy wirken muss. Aber ich will einfach echt, dass alles unversehrt bleibt. Irgendwie muss ich ja auch beweisen, dass das möglich ist.


Am zweiten Tag machen das Baby und ich einen Ausflug mit Freunden. Ich komme zu spät, weil ich schon wieder nur einen 60er fahre. Dafür hab ich den Scheibenwischer laufen und die Handbremse nicht gelöst. Better safe than sorry. Oder so. Zu unserer aller Sicherheit – vor allem der des Buses – steigen wir ins Freunde-Auto um. Ist einfach besser so.


Am dritten und letzten Tag haben wir es quasi geschafft. Wie die drei Musketiere. Baby, Bus und ich.

Auf der Fahrt zu meinen Eltern werde ich langsam routinierter und mutiger. Ich beschleunige auf 90, nutze den Tempomat und genieße sogar ein bisserl das erhöhte Sitzen. „Fährt sich gut, der Bus“, erzähle ich jameslässig, während Papa einen Ball mit dem Stanleymesser aufschneidet und eine Hälfte dem Baby und die andere Hälfte sich selbst aufsetzt. Ja, ich weiß…

Nach ein paar netten Stunden und Hardcore-Entertainment für mein Junges, besteigen wir den Bus wieder zur Heimfahrt. Selbstbewusst lasse ich die Fenster runter und dreh die Musik lauter. Auf der Bundesstraße fühl ich mich wie auf Schienen. Wir schweben richtig nach Hause. VW-Bus-fahren? Kann ich. Und da ist es auch plötzlich: Das ultimative Bus-Feeling, von denen P. immer redet. Meine Haare wehen im Fahrtwind. Nennt mich die Königin des VW-Busses, die Kaiserin des Cockpit, die Herrscherin über den Asphalt. Ich zwinkere mir wohlwollend im Spiegel zu, setze den Blinker in unseren Parkplatz, vergesse wie lange das Auto eigentlich im Vergleich zu meinem ist und die Macht des lebenden Zauns. Ich bin viel zu knapp, streife völlig überraschend die Eiben-Hecke und tausend kleine Asterl zerkratzen die gesamte linke Seite des Autos. Oh. Ups...

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