10 Dinge die sich ändern, wenn du ein Kind hast

Man glaubt sie sowieso nicht. Diese „du-wirst-schon-sehen“-Ratschläge. Dieses Besserwissen der anderen. All diese Prognosen. Gewisse Dinge muss man einfach selbst erleben, damit sie sich wahr anfühlen. Bei vielen ist einiges ähnlich, aber bei niemanden ist alles gleich. Darum hier meine zehn Dinge, die sich verändert haben, seit wir ein Kind haben.


1. Lebensaufgabe: Schichtln Im Frühling hat´s in der Sonne 40 Grad. Und im Schatten minus 10. Meist besteht mein Tagesprogramm demnach daraus, die Temperaturen, den Wind und die Sonneneinstrahlung zu analysieren und dem Kind Gewandschichten aus- und dann doch wieder anzuziehen. Heißt: Stirnbandl owa, Haum auffi. Schal weg; und wieder hin. Jacke aus, Gilet an, dann doch wieder aus – und die Jacke wieder an. Tausendmal. Mindestens.


2. "Bipi, Lieger und Moos" Ich war immer locker pünktlich. Also früher. Heute time ich beinhart, kalkuliere an- um- und ausziehen, berechne Vorbereitung, Schlafenszeiten und sogar undefinierbare Überraschungen. Dann gehen wir echt früh genug weg und sind jedes Mal halbwegs zeitig. Und zwar genau so lange, bis wir vor der Türe sind und Vogerl hören. Oder am Himmel Flugzeuge sehen. Oder am Straßenrand Moos wächst, das man streicheln muss. Jedes Mal frisst uns eine wundersame Zeitschleife, alles ist mit einem Tuscher "Slow-Motion" - und wir verspäten uns um Stunden.


3. Kalter Kaffee und Warmer Spritzer Kürzlich hab ich den Kaffee in der Arbeit fast schon aufdringlich gelobt. Bis ich draufgekommen bin, dass er so besonders gut schmeckt, weil er einfach zur Abwechslung einmal warm war. So richtig. Die letzten Monate trinke ich ihn nämlich kalt. Und die seltenen Spritzer warm. Nicht weil ich das so gschmackig finde, sondern weil:


4. Aufmerksamkeit wie ein Goldfi – Was? Anderen nicht anständig zuhören ist so unhöflich. Und trotzdem erwische ich mich grad oft dabei, meinem Gegenüber zwar folgen zu wollen – aber mit einem Auge immer beim Baby zu sein. So checke ich dauernd parallel, ob er im Hintergrund eh niemanden umrennt, sich in Lebensgefahr bringt oder etwas ruiniert. Ich bin andauernd so nebenbei und gefühlt am Sprung und ich will wirklich daran arbeiten auch wieder aufmerksamer zu sein, wenn – BITTE NICHT DIE KERZE ESSEN!!! - ahm… wo waren wir?


5. Functionality beats Style Überschrift klingt lässig... Heißt aber einfach nur, dass ich meist richtig gschlompad daher komme. Ungeschminkt. Leicht fettiger Dutt. Dreckige Schuhe und schwarze, ausgeleierte Bequemo-Leggins (teilweise sogar mit weißen Katzenhaaren drauf!). Ich wünschte ich wäre eine dieser gestylten Mütter, die sich trotz allem niemals selbst vergessen. Auch nicht am Spielplatz. Aber in Sachen "Gut-Ausschauen" schaut´s bei mir schlicht und ergreifend grad echt schlecht aus.


6. „Hau di über d´Heisa, Leo Lausemaus!“ Ich liebe die Zeit mit unserem Kind. Allein wie er ausschaut und riecht, wenn er bei mir sitzt und Bücher schauen mag. Manchmal könnte ich weinen vor Glück. Und manchmal auch vor Langeweile, wenn wir uns an einem einzigen Tag bis zu 24 mal das selbe verdammte Buch anschauen müssen. Leo Lausemaus – für mich der Nager aus der Hölle. Oft in teuflischer Endlosschleife.


7. Mua da wuascht sei Wenn man in einem kleinen Nest aufwächst, wird man damit groß, dass immer jeder eine Meinung zu einem hat. Und urteilt. Seit dem Kind ist mir das aber wurschter (gibt´s das Wort so?) als jemals zuvor. Ich singe beim Einkaufen (teilweise auch, wenn der Bub nicht mit ist), habe meine Werte und bin für gewisse Sachen einfach Feuer und Flamme. Und wie das andere finden, brennt mich einfach nicht.


8. Crazy Kind-Lady Was habe ich den Kopf genervt in den Nacken geworfen, wegen all dieser Kinderfotos von anderen. Ganz ehrlich: Kinder sind lieb – aber sie schauen auch alle gleich aus. Und gehen und reden lernen sie auch alle irgendwann. Ist doch völlig blunzen wann. Sagte ich kinderlos und unerfahren. Heute erwisch ich mich dabei, wie ich teilweise fast Fremden Fotos meines Kindes hinhalte und drauf aufmerksam mache, was er schon kann und was für ein toller Bursche er doch ist. Komplett gestört. Aber komplett unaufhaltsam.


9. Zamrama vs. Schoma Jeden Tag im Leben hat man die Wahl: 3 Stunden zusammenräumen oder sich vor anderen 3 Minuten für den Saustall schämen. Ich hätte es im Leben nicht für möglich gehalten, aber manchmal wähle ich mittlerweile echt beinhart zweiteres.


10. Endgegner: Schlechtes Gewissen Diese ominöse Zeit für einen selbst ist mit Kind weg. Tot. Gibt´s nimmer. Außer man schiebt das Kind zur Oma. Die sich zwar ernsthaft freut, aber am Ende will man doch niemanden zu lange für sein eigenes Vergnügen belasten. Ich halt nicht. So habe ich meist ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal Zeit für mich habe - und wenn ich keine habe eins, weil ich wenn ich eine habe, ein schlechtes Gewissen habe. Verrückt.

Ach, ich könnte endlos weiterschreiben. Es ist einfach alles anders und man selbst ist anders und irgendwie ist man doch so, wie man immer war. Mit allen Zweifeln und Fehlern und Neurosen. Und auch das Gute hat man noch und so viel bessere Nerven als man dachte und so viel Liebe für jemanden, dass einem manchmal ganz schwindelig wird. Dann sollte man sich übrigens einfach mal hinsetzen. Um sich selbst anerkennend und mit einem lässigen Zwinkern auf die verspannte aber starke Schulter zu klopfen.




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